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Korrosionsschutzklasse C5 bei Luftwänden: Praxisbeispiel Kompostwerk

Geschrieben von Thomas Sonnabend | Jun 21, 2026 5:02:39 PM

In Kompostwerken, Bioabfallaufbereitungsanlagen und Recyclingbetrieben herrschen Bedingungen, die technischen Anlagen viel abverlangen: Feuchtigkeit, Staub, Ammoniak und organische Säuren greifen Werkstoffe und Beschichtungen dauerhaft an. Deshalb wird häufig Korrosionsschutzklasse C5 gefordert.

Doch C5 bedeutet nicht automatisch: alles aus Edelstahl. Entscheidend ist ein durchdachtes Korrosionsschutzkonzept aus Werkstoffwahl, Beschichtung, Konstruktion und Anlagenanordnung. Ein Praxisbeispiel aus einem Kompostwerk in Kirchheim unter Teck zeigt, wie sich technische Anforderungen und Wirtschaftlichkeit sinnvoll verbinden lassen.

 Titelbild: Kompostwerk Kirchheim: Praxisbeispiel aus einem Kompostwerk in Kirchheim unter Teck. Feuchtigkeit, organische Säuren und Ammoniak stellen hohe Anforderungen an den Korrosionsschutz technischer Anlagen.

Warum wird in Kompostwerken häufig Korrosionsschutzklasse C5 gefordert?

Feuchtigkeit, Staub, Ammoniak und organische Säuren können Werkstoffe und Beschichtungen erheblich beanspruchen. Entsprechend wird in Ausschreibungen häufig die Korrosionsschutzklasse C5 gefordert.

Viele Anwender verbinden diese Anforderung unmittelbar mit Edelstahl. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die optimale Lösung häufig deutlich differenzierter ausfällt.

Korrosionsschutz beginnt bereits bei der Planung

Im Bereich der Abfall- und Biomassebehandlung werden Luftwandanlagen häufig so ausgelegt, dass empfindliche Komponenten möglichst wenig mit der aggressiven Hallenatmosphäre in Berührung kommen.

Bei einer Biomethananlage bestand beispielsweise die Anforderung, die Belastung der Anlage durch Staub und ammoniakhaltige Hallenluft zu minimieren. Deshalb wurden die wesentlichen Komponenten außerhalb des Gebäudes angeordnet. Die benötigte Luft wird direkt von außen angesaugt und den Luftwandanlagen zugeführt.

Durch dieses Konzept kommen Ventilatoren und Luftführungssysteme nur in geringem Umfang mit der aggressiven Hallenatmosphäre in Kontakt.

Das Beispiel zeigt, dass Korrosionsschutz häufig bereits bei der Anlagenplanung beginnt und nicht erst bei der Auswahl von Werkstoffen oder Beschichtungen.

Bei dieser Biomethananlage wurden die wesentlichen Komponenten der Luftwandanlage außerhalb des Gebäudes angeordnet. Dadurch wird die Belastung durch Staub und ammoniakhaltige Hallenluft bereits konstruktiv reduziert.

Korrosionsschutzklasse C5 ist keine Materialvorgabe

Die Korrosionsschutzklasse C5 beschreibt eine Anforderung an die Dauerhaftigkeit von Bauteilen in einer korrosiven Umgebung. Sie legt jedoch nicht fest, mit welchem Werkstoff diese Anforderung erreicht werden muss.

Entscheidend ist nicht das einzelne Material, sondern die dauerhaft geeignete Kombination aus Werkstoff, Konstruktion und Schutzsystem.

Praxisbeispiel Kompostierungsanlage

Bei einem Projekt in einer Abfallbehandlungsanlage wurde die Korrosionsschutzklasse C5 ausdrücklich gefordert. Die Ausschreibungsunterlagen beschrieben die Hallenatmosphäre als hochaggressiv und forderten Beständigkeit gegenüber organischen Säuren und Ammoniak.

Im Rahmen der Detailplanung wurden sämtliche Bauteile hinsichtlich Korrosionsbeständigkeit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit bewertet.

Dabei kamen unterschiedliche Lösungen zum Einsatz:

    • Edelstahl
    • Aluminium
    • Kunststoff
    • C5-Beschichtungssysteme

Die Auswahl erfolgte nicht pauschal, sondern jeweils bauteilbezogen.

Ein interessantes Beispiel waren die Wickelfalzrohre und Formteile. Hier wurde untersucht, ob eine verzinkte Ausführung mit zusätzlicher Beschichtung oder eine Edelstahlausführung wirtschaftlicher ist. Die Betrachtung zeigte, dass Edelstahl in diesem Fall die günstigere Lösung darstellte.

Auch zahlreiche Kleinteile wurden einzeln geprüft. Für die meisten Komponenten waren geeignete Edelstahlausführungen verfügbar. Nur wenige Sonderteile mussten über Beschichtungssysteme in das Korrosionsschutzkonzept integriert werden.

Kirchheim mit Verrohrung und Ventilatorkästen: Unterschiedliche Werkstoffe und Schutzsysteme innerhalb eines Korrosionsschutzkonzeptes. Je nach Bauteil kamen Edelstahl, Beschichtungen und weitere korrosionsbeständige Werkstoffe zum Einsatz.

Die Ventilatorkästen wurden innen und außen beschichtet ausgeführt. Lediglich die eigentlichen Ventilatorkomponenten selbst waren von dieser Ausführung ausgenommen. Da diese Bauteile nicht direkt mit der aggressiven Hallenluft in Berührung kommen, konnte hier eine wirtschaftlich sinnvolle Ausführung gewählt werden.

Die wirtschaftlich optimale Lösung

Die Erfahrungen aus Kompostwerken, Biomethan- und Recyclinganlagen zeigen, dass die Korrosionsschutzklasse C5 nicht automatisch zu einer vollständigen Edelstahlausführung führen muss.

Ebenso wenig ist eine pauschale Beschichtung aller Komponenten zwangsläufig die wirtschaftlichste Lösung.

Die optimale Ausführung entsteht häufig durch die Kombination aus:

    • geeigneter Anlagenplanung
    • intelligenter Anordnung der Komponenten
    • passender Werkstoffwahl
    • gezielt eingesetzten Beschichtungssystemen

 

Montage der Ventilatorkästen / Kompostierungsanlage: Montage der Luftwandanlage in einer Kompostierungsanlage. Die Umgebungsbedingungen verdeutlichen die Anforderungen an Konstruktion, Werkstoffwahl und Korrosionsschutz.

Fazit

Die Korrosionsschutzklasse C5 ist keine Materialvorgabe, sondern eine technische Anforderung.

Die Herausforderung besteht nicht darin, möglichst viel Edelstahl einzusetzen, sondern für jedes Bauteil die technisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung zu finden.

Oft liegt die beste Lösung im Zusammenspiel verschiedener Werkstoffe, Schutzsysteme und konstruktiver Maßnahmen.

Die Erfahrungen aus Biomethan-, Recycling- und Kompostierungsanlagen zeigen, dass sich die Anforderungen der Korrosionsschutzklasse C5 heute zuverlässig erfüllen lassen. Entscheidend ist dabei eine frühzeitige Betrachtung von Anlagenanordnung, Werkstoffwahl und Korrosionsschutzkonzept.